Entstehung

Klingenmünster verdankt seine Gründung einem Kloster - dem um 817 zum ersten Mal urkundlich genannten ,,monasterio clingone", das aber auch noch Plidinsfeld genannt wurde. Wahrscheinlich ist der Ortsname Plidinsfeld älter, letztlich setzte sich aber der Name des Klosters auch als Bezeichnung für das um das Kloster entstehende Gemeinwesen durch. Das Kloster ist sicherlich eines der ältesten in Deutschland, wenn auch die Gründung durch den Merowingerkönig, Dagobert I. (622-638) sagenhaft und daher nicht urkundlich belegbar ist.

In karolingischer Zeit unterstand das Kloster dem Bistum Mainz. Unter dem berühmten Bischof Hrabanus Maurus ging es 848 in Flammen auf, welches Ereignis Maurus in mehreren Gedichten beschrieb. Im 12. Jahrhundert von allen Obrigkeitslasten befreit, zudem unter besonderem Schutz des Heiligen Stuhles stehend, entwickelte sich das Kloster schnell. Zusammen mit den Klöstern Weißenburg, eine Gründung des 7. Jahrhunderts, und Eußerthal, im 12. Jahrhundert gegründet, bildete Klingenmünster im Hochmittelalter ein kulturelles und wirtschaftliches Zentrum. Die weltliche Verwaltung des recht ansehnlichen Klosterbesitzes unterstand verschiedenen Schutzvögten, von denen die Saarbrücker und Leininger Grafen, die elsässischen Ochsensteiner und im Spätmittelalter Kurpfalz die namhaftesten sind. Zum Schutz des Klosters wurden Burgen errichtet: Im 10. Jahrhundert der Heidenschuh, eine in 474 Meter Höhe liegende Fliehburg. Im 11. Jahrhundert erfolgte der Bau des Schlössels, einer salischen Turmburg, letztlich nach dessen Zerstörung 1168 errichteten die Schutzvögte die Burg Landeck, eine der schönsten und bekanntesten stauferzeitlichen Burgen in der Pfalz überhaupt. Die Herrschaft Landeck, wie sie später hieß, war eine der reichsten der Südpfalz.

Allerdings drängten die Vogteiherren im Laufe der Jahrhunderte immer stärker in die Rechte des Klosters und brachen Teile aus dem Klosterbesitz. Letztendlich gingen wirtschaftlicher Niedergang und Verfall der Ordenszucht einher und 1491 erfolgte die Umwandlung in ein weltliches Chorherrenstift. Nach Einführung der Reformation hob der Vogtherr Kurfürst Friedrich III. das Kloster auf und unterstellte es der geistlichen Güteradministration.In seiner Blütezeit war das Kloster ein blühendes geistliches und wirtschaftliches Zentrum mit einer großen Sogwirkung auf die Bewohner des Umlandes. Blieb der Klausurbereich selbstredend den Laien verschlossen, so ließen sich Handwerker und Bauern im Umfeld des Klosters nieder.Die Stiftsmauer, eher Symbol der Abgeschlossenheit als Wehrmauer, trennte das entstehende Dorf von dem Kloster. 1279 wurde ein Haus in der ,,Steingaß" erstmals genannt, 1261 begegnet uns eine Walkmühle in Klingenmünster, im übrigen die älteste Mühle der Pfalz.

15. bis 19. Jahrhundert

Spätestens ab dem 15. Jahrhundert ist von einem dörflichen Gemeinwesen mit Schultheisenverfassung zu sprechen. Das Unteramt Landeck im kurpfalzischen Oberamt Germersheim umfaßte im 17. Jahrhundert insgesamt 19 umliegende Dörfer. Nach Zerstörung der Burg Landeck wurde der Amtssitz 1689 nach Klingenmünster verlegt. Durch die Ereignisse der Französischen Revolution wurde die alte Ordnung zerschlagen. Klingenmünster kam an Frankreich und wurde als selbständige ,,Commune" Teil des Departements Niederrhein. Die Klingenmünsterer Bürger hatten sich mit Revolutionsfeiern und dem Pflanzen eines Freiheitsbaumes schon 1793 zu den Prinzipien der Französischen Revolution bekannt. Nach dem Niedergang Napoleons gelangte das Dorf für ein Jahr (1815) unter österreichische Verwaltung, mit dem 1. Mai 1816 wurde es bayerisch.

Das Dorf nahm im 19. Jahrhundert einen rasanten Aufschwung. Der Weinbau wurde forciert, der reiche Waldbesitz ließ Handwerksbetriebe entstehen wie Wagner, Küfer, Zimmerleute, Schreiner; Landwirtschaft und Viehzucht bildeten ein weiters wirtschaftliches Standbein. Auch die verkehrstechnische Anbindung wurde durch den Straßenausbau des frühen 19. Jahrhunderts und durch die Bahnlinie (1892 eröffnet, 1957 geschlossen) verbessert. Auch die 1857 gegründete Kreisirrenanstalt, das heutige Pfalzklinikum für Psychiatrie und Neurologie, schaffte Arbeitsplätze im Ort (heute ca. 1000 Mitarbeiter). Die Industrieansiedlungen des 19. Jahrhunderts waren nur von kurzer Dauer.

Neuzeit

Weinbau und Weinwerbung erhielten einen Anschub durch den Bau der Weinstraße 1936 und die gezielte Förderung des Weinbaus in den letzten Jahrzehnten. Der ,,Staatlich anerkannte Fremdenverkehrsort" bietet dem Besucher einiges: Hier sind nicht nur die Burgen zu nennen, auch das ausgebaute Wanderwegesystem im ,,Naturpark Pfälzer Wald" sowie die gut beschilderten Fahrradwege laden Jahr für Jahr eine große Zahl von Urlaubern in die Gemeinde ein. Auch das Ortsbild hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt: Neubaugebiete wurde erschlossen, die kommunalen Einrichtungen (u.a. Dorfgemeinschaftshalle, Kindergärten, Grundschule, Kinderspielplatz sowie Sportstätten) gebaut oder modernisiert. Zahlreiche Geschäfte, Arztpraxen, eine Apotheke, eine Tankstelle und zwei Banken  stellen die Grundversorgung der Bürger sicher. Historisches und Neues finden sich in harmonischem Einklang. Das Dorf unter der alten Stauferfeste Landeck gehört sicherlich zu den Kleinodien der Pfalz.

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