19.11.2016

In Archiven gestöbert

Arbeitskreis Altes Klingenmünster entdeckt unbekannte August-Becker-Erzählung / Heft mit Texten zur Geschichte wird ab 19. November verkauft

Die Vergangenheit ist ein tiefer Brunnen und von seinem Grund kann man immer wieder Überraschendes und Unentdecktes ans Licht holen. Die Freizeitforscher des Arbeitskreises Altes Klingenmünster (AKAK) sammeln eifrig Informationen und Geschichten aus früheren Tagen. Zum zweiten Mal legen sie nun eine Publikation vor, die, so der Titel, „Einblicke in vergangene Zeiten“ bietet. Der Bogen spannt sich von der Wasserversorgung im Dorf über die Weinlese vor 50 Jahren bis hin zu den Ziegelhütten, die früher Klingenmünster prägten.

Ein ganz besonderer Fund stammt aus dem Nachlass des bekanntesten Sohns Klingenmünsters, des Heimatdichters August Becker, und seines Sohns Karl August. Erich Laux, der leidenschaftlich gern in Archiven stöbert, hat in der Pfälzischen Landesbibliothek in Speyer zahlreiche Kartons gesichtet, in denen dieser Nachlass verwahrt wird – ein riesiger Schatz, der noch lange nicht endgültig ausgewertet ist. Hier fand er eine bisher unveröffentlichte Erzählung des Heimatdichters, die einen Bezug zu Klingenmünster hat. Sie ist in der Broschüre komplett abgedruckt.

Erzählt wird die Geschichte von Dietrich Hoffmann, der im 17. Jahrhundert gelebt hat. Der kleine Diether flieht aus seinem Heimatdorf Münchweiler, weil er nicht ertragen kann, dass die Franzosen die Bevölkerung zum katholischen Glauben zwingen wollen. Er kämpft sich mühsam durch den Pfälzerwald, findet eine Familie, die ihn aufnimmt, und landet schließlich in Klingenmünster, wo er zu einem geachteten Bürger wird. Unter anderem erbaut Dietrich Hoffmann das Gasthaus Zum Roten Ochsen; das Gebäude steht heute noch an der Weinstraße.

Ein weiterer Fund aus der Landesbibliothek sind historische Fotos – Aufnahmen aus den 20er und 30er Jahren von Karl August Becker, dem Sohn des Dichters. Viele der Bilder zeigen Klingenmünster und Umgebung, geben Einblick in eine vergangene, landwirtschaftlich geprägte Welt. Dazu passt das letzte Kapitel der Broschüre, das eine Auswahl von 30 gemalten oder fotografierten Ansichtskarten von Klingenmünster aus zwei Jahrhunderten zeigt. Die Landeck in vielen Variationen gehört ebenso dazu wie Ansichten des heutigen Pfalzklinikums oder Grußkarten aus den verschiedenen Gaststätten.
 

Information

Das Heft „Klingenmünster – Einblicke in vergangene Zeiten II“ wird zum ersten Mal am vorweihnachtlichen Erlebnistag in Klingenmünster verkauft, am Samstag, dem 19. November. Autoren sind Edelbert Lang, Erich Laux, Ralf Litty und Jürgen Müsel.

Bildtexte:

becker017_W.jpg017    Impression aus den zwanziger Jahren: Neugierige Kinder drücken sich am Fenster der Schuhmacherei Zwipf die Nase platt. Heute befindet sich in dem Haus an der Steinstraße ein Reisebüro.

becker019_W.jpg019   Ein seltener Anblick in den zwanziger Jahren: Karl August Becker hat ein Automobil fotografiert, das einsam durch die Untere Steingasse tuckert.

becker034_W.jpg034  Ausgedehnte Wiesen prägten in den zwanziger Jahren den Dorfrand von Klingenmünster- hier im Vordergrund die Stattwiesen, auf der anderen Seite des Klingbachs die Paxhofwiesen.