Geschichte der Juden von Klingenmünster

Erinnerung darf nie einschlafen“

Über 100 Menschen interessierten sich für die Präsentation der „Geschichte der Juden von Klingenmünster“

Erinnerungsarbeit darf nie einschlafen“, sagt Erich Laux. Er selbst hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet: Der Klingenmünsterer Laienhistoriker hat in jahrelanger Arbeit die „Geschichte der Juden von Klingenmünster“ erforscht und aufgeschrieben. Ein Heft mit den Ergebnissen dieser akribischen Arbeit liegt nun vor; im Mönchsaal des Klosters ist es vorgestellt worden.

Das Interesse im Dorf ist sichtlich groß: Der Saal ist bis auf den letzten Platz gefüllt, als am 9. November (am Tag, als vor 81 Jahren die Synagogen brannten) die neue Publikation des Arbeitskreises Altes Klingenmünster präsentiert wird. Jürgen Müsel vom Arbeitskreis zitiert in seiner Begrüßung den Autor Hans-Friedrich Bergmann: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen. Wer die Gegenwart nicht versteht, kann die Zukunft nicht gestalten“.

In einem Interview mit Hans-Peter Bauer gibt Erich Laux Auskunft darüber, wie er vorgegangen ist, was er entdeckt und erfahren hat. Im Landesarchiv Speyer fand er unter anderem eine umfangreiche Akte, die sich mit der Enteignung der Levi-Brüder befasst. Alfred und Gustav Levi waren die letzten beiden jüdischen Bürger von Klingenmünster; sie wurden 1940 nach Gurs transportiert und später ermordet. Das war für Laux ein Anstoß, der Geschichte der Juden im Dorf nachzuspüren. Er studierte weitere Akten und Lagepläne, sprach mit Zeitzeugen, und er traf Judith Rhodes, eine entfernte Verwandte der Levi-Brüder, die in England lebt und aus der Ferne die Veranstaltung sozusagen mit gestaltete.

Gezeigt wird der Film „Koffer gepackt und überlebt“, den der Arbeitskreis Stolpersteine Ludwigshafen produziert hat. Er schildert das Schicksal der Mutter von Judith Rhodes: Das jüdische Mädchen wurde mit einem der letzten Kindertransporte nach Großbritannien geschickt – das nahm sie ihren Eltern sehr übel, aber es rettete ihr das Leben. Ihre Familie wurde im KZ umgebracht. Nach dem beeindruckenden Film hören die Anwesenden eine Grußbotschaft von Judith Rhodes, in der sie die Klingenmünsterer Initiative würdigt.

Dann hat Rolf Übel, Historiker und Stadtarchivar, das Wort. Er versucht das Phänomen zu erklären, dass es – in Klingenmünster wie auch anderswo – rund 60 Jahre gedauert habe, bis man begann, den Holocaust und die Geschichte des Dritten Reiches aufzuarbeiten. In Ortschroniken, die in den 60er, 70er Jahren entstanden, lese man kaum etwas darüber. „War die Judenverfolgung ein Versehen der Geschichte oder gibt es Traditionslinien, die uns gerade heute wieder beschäftigen?“, fragt Übel. Es gelte, die Erinnerung wachzuhalten, um den „ewigen Betonköpfen“ etwas entgegenzusetzen – nämlich die historische Wahrheit.

Eindrucksvoll ist der musikalische Beitrag zur Veranstaltung. Mit Klezmer-Musik und jiddischen Liedern drückten Ulrich Harsch, seine Töchter Magdalena und Antonia, sowie Thomas Beck Trauer, aber auch Zuversicht aus. „Shpil she mir e Lidele in Yiddisch“ etwa besingt den Traum von einer besseren Welt, in der sich Menschen ohne Streit und Krieg verstehen.

Information

Die Broschüre „Geschichte der Juden von Klingenmünster“, herausgegeben vom Arbeitskreis Altes Klingenmünster, ist zum Preis von 6 Euro im Stiftsgut Keysermühle, Bahnhofstraße 1, in der Reben-Apotheke, im Stift 4, und bei Sport-Müller, Weinstraße 54, zu haben.